Hüfte

Hüfte

Hüft-Dysplasie

Dabei handelt es sich um angeborene Fehlstellung oder Fehlbildung im Hüftgelenk im Kopf und/oder der Pfanne. Gewisse Risikofaktoren (z.B. weibliches Geschlecht, Steissgeburt, Erstgeburt, genetische Faktoren) begünstigen die Entwicklung einer Dysplasie beim Neugeborenen. Im Kindesalter können mittels Hüftultraschall die meisten Dysplasien erkannt und mittels spezieller Therapie (breit Wickeln, Spreizhosen, Pavlik-Bandagen oder selten frühkindliche Operationen zur Hüftkopfzentrierung) gut behoben werden. Diese Behandlungen werden durch Pädiater und von Kinderorthopäden durchgeführt. Damit können glücklicherweise die meisten Folgeschäden verhindert werden.

Trotz frühkindlichem Screening sind aber weiterhin Folgeerscheinungen bei  Erwachsenen anzutreffen. Verändertes, innenrotiertes Gangbild, Hinken und belastungsabhängige Schmerzen können auftreten. Durch die Fehlstellung kommt es zur Fehlbelastung, der Knorpel wird überbelastet und baut sich ab, zu guter Letzt zeigt sich das Vollbild einer Arthrose. Die Behandlungen richten sich nach Dysplasieform, Alter, Symptomausmass (Leidensdruck) und Ausprägungsgrad. Eine individuelle Betreuung und Beratung der Patienten mit öfters längerer Leidensgeschichte ist uns wichtig.

 

Hüft-Arthrose

Bei einer Arthrose besteht ein grösserer Knorpelverlust, sodass im schlimmsten Fall der Knochen auf dem Knochen läuft, was verständlicherweise Schmerzen verursacht. Die Arthroseentwicklung ist eine normale Verschleisserkrankung der immer älter werdenden Menschheit. Andererseits kann die Arthroseentwicklung durch Sportverletzungen, falsche Belastungen, übermässige sportliche Beanspruchung, Übergewicht und Knochenbrüche beschleunigt werden. Auch eine genetische Häufung wird beobachtet. Das Fortschreiten der Arthrose kann kaum angehalten werden, die Geschwindigkeit des Knorpelabbaus und der Symptomatik variiert erheblich. 

Mittels konservativen Therapieansätzen (Sportanpassung, Ernährungsergänzung, Physiotherapie, Infiltrationen) könne mildere Beschwerden oft jahrelang kontrolliert werden. Schwere Beschwerden können häufig jedoch nur mit einem künstlichen Hüftgelenk gut behandelt werden. Moderne Techniken wie minimal-invasive Operationsmethoden und angepasste Instrumente helfen, schnell und anhaltend ein gutes Ergebnis mit hoher Zufriedenheit zu erzielen.

 

Hüftimpingement & Sportverletzungen 

Sportverletzungen im Hüftgelenk sind relativ selten, z.B. im Eishockey jedoch regelmässig anzutreffen. Betroffene Strukturen sind vor allem Gelenkslippen (Labrumläsionen), Knorpel und Bänder. Schmerzen, Blockierungen resp. Einklemmungsgefühle können die Folge sein. Eine Arthro-MRI Untersuchung gibt Aufschluss über die verletzten Gelenksstrukturen. Je nach Befund kann eine konservative Therapie (Infiltration, Physio-/Sporttherapie) die Symptome beheben. Falls nicht, muss eine Operation stattfinden. Hüftarthroskopie oder chirurgische Hüftluxation.

Viel häufiger treten bei Sportverletzungen Überdehnungen von Sehnen, Muskelfaserrisse und Muskelermüdungen auf. Vollständige Sehnenabrisse insbesonders der Hamstrings bedürfen einer frühzeitigen chirurgischen Intervention, um spätere Komplikationen zu verhindern (Verwachsungen, verminderte Kraft und Beweglichkeit) und das Resultat zu verbessern. Muskelbauchrisse müssen kaum je operiert werden, ausser es liegen grosse Blutergüsse vor, welche starke Beschwerden hervorrufen.

Ein Hüftimpingement bedeutet, dass eine Einklemmungssymptomatik im Hüftgelenk vorliegt. Diese ist angeboren oder erworben, kann einerseits durch einen Vorsprung im Schenkhals (femoraler Bump, pistol grip Deformität, Cam Impingement) und/oder durch eine Beisszagenkonfiguration der Gelenkspfanne (Pincer Impingement, Herniation pits) bedingt sein. Als Folge wird der Knorpel des Hüftgelenkes beschädigt, sodass im Verlauf früher eine Arthrose des Hüftgelenkes auftritt, sofern die Ursache nicht frühzeitig operativ behoben wird.

 

Rheumatoide Arthritis

Es handelt sich um eine teilweise vererbbare autoimmune Systemerkrankung mit unterschiedlichen Befallmuster und Ausprägungen. Von rezidivierenden Gelenkergüssen mit begleitenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, über Knorpelabbau bis zur kompletten Gelenkdestruktion und Instabilitäten können viele Schweregrade vorhanden sein. Oft sind die Sehnen und Muskeln mitbefallen. Der Ausbruch der Erkrankung kann schon im frühen jugendlichen Alter oder später im Erwachsenenalter erfolgen.

Nebst einer rheumatologischen Grundbetreuung ist eine orthopädische Mitbetreuung sinnvoll, um Gelenksteife, Schmerzen, Instabilitäten allenfalls chirurgisch behandeln zu können. Bereits bei jüngeren Patienten muss häufig als einzige Möglichkeit ein künstliches Gelenk implantiert werden.

 

Abduktorenschaden (Muskel-/Sehnenriss)

Die Abduktorenmuskulatur stabilisiert den Körper beim Gehen und ist der Motor der Hüfte. So kann ein Hüftgelenk mit einem Abduktorenschaden keine kräftige Funktion ausführen, Treppengehen wird stark erschwert und ein typisches Insuffizienzhinken (Trendelenburghinken, Schwächehinken) ist sichtbar. Zusätzlich können starke Schmerzen auf der Hüftaussenseite bestehen. Die Reparatur dieser Muskulatur ist auf Grund der konstanten Dehnungsverhältnissen und den stark wirkenden Hebelarm erschwert und entsprechend aufwendig. Nicht selten sind dazu zwei Operationen notwendig, um das nahezu normale Gangbild wiederherstellen und eine gute Schmerzreduktion erzielen zu können.

 

Femurkopfnekrosen

Eine Femurkopfnekrose entsteht durch verminderte Durchblutung des Hüftkopfes, was zum Absterben eines einzelnen Kopfanteiles oder des ganzen Kopfes führen kann (Knocheninfarkt). Stoffwechselerkrankungen, Wachstumsstörungen (M. Perthes), Bestrahlungen und verschiedene Medikamente können einen solchen Zustand begünstigen. Ebenso kann ein unentdecktes jugendliches Hüftkopfgleiten (Epiphysiolyse) eine Nekrose bewirken. Falls die Diagnose im jugendlichen Alter frühzeitig gestellt wird, kann mittels operativer Korrekturen (Anbohrung, chirurgische Luxation, Verschraubung Hüftkopf, Umstellung des Hüftkopfes) die Prognose verbessert werden. Bei Erwachsenen ist in fortgeschrittenen Fällen die schmerzhafte Situation nur noch mittels künstlichem Hüftgelenk zu beheben.

 

Femurfrakturen/Beckenfrakturen

Regelmässig treten bei Stürzen im häuslichen Umfeld oder Sport Knochenbrüche des Beckens oder des Oberschenkelknochens auf. Falls kein adäquates Trauma vorhanden ist, handelt es sich häufig um Knochenbrüche bei geringer Knochendichte und -qualität (Osteoporose) bei älteren Patienten.

Die meisten Frakturen im Bereich der Hüfte müssen operativ versorgt werden, da die Belastbarkeit ansonsten nicht gewährleistet ist und eine langfristige Bettlägerigkeit folgen würde. Je nach Frakturtyp  kann eine Osteosynthese (Reparatur des Knochenbruches) oder ein direkt belastbares künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden.